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Ruderer: Den Griff im Griff!
Ruderer: Den Griff im Griff!
8. Apr. 2011
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Wenn man eine Mannschaft beim Rudern beobachtet, erkennt das geschulte Auge meist schnell, welche Athleten langsam ins Wasser fassen, wo die Blattarbeit ungleichmäßig ist oder die Bewegungen im Boot nicht synchron laufen. Dennoch sollte die Verantwortung für einen schnelleren Wasseransatz oder besseres Timing nicht allein beim Trainer liegen. Meiner Meinung nach sollten auch die Athleten selbst Verantwortung dafür übernehmen, diese technischen Fehler zu korrigieren.
Ein Ruderer hat zwei Kontaktpunkte mit dem Wasser: die Füße und die Hände. Die ersten Kontaktpunkte sind die Füße, denn die Kraft aus Hüfte, Beinen und Rücken wird über das Stemmbrett von den Zehen bis zu den Fersen übertragen. Gleichzeitig wird diese Kraft über den Griff der Hände auf den Riemen oder Skull übertragen. Ohne diese Verbindung zum Antrieb würde sich ein Boot weder weit noch schnell bewegen. Dieser zweite Kontaktpunkt – die Hände – ist einer jener technischen Aspekte, die ein Athlet sehr gut selbst kontrollieren kann. Ein besserer Griff und ein besseres Gefühl für das Blatt über die Hände führen unweigerlich zu einer effektiveren Verbindung mit dem Wasser.
Mein erster Tipp lautet: entspannte Hände und ein lockerer Griff. Natürlich ist das leichter gesagt als getan! Für Ruderer ist dieses Gefühl jedoch deutlich leichter wahrnehmbar, als es für Trainer sichtbar ist. Ruderer sollten darauf achten, wie sich der Griff beim Heranfahren an den Wasseransatz in der äußeren Handfläche bewegt. Außerdem sollten sie ihre Hände im Wasseransatz beobachten und darauf achten, keine weißen Fingerknöchel zu bekommen. Ein zu fester Griff führt nur zu einem „Hineinschlagen“ in den Wasseransatz. Mit einem lockereren Griff – selbst bei rauem Wasser – kann ein Ruderer meiner Meinung nach ein ruhigeres und schnelleres Wasserfassen erreichen. Trainer erkennen aus der Distanz vielleicht den schnelleren Wasseransatz, aber nicht unbedingt, dass entspannte Hände die Ursache dafür sind.
Mein zweiter Tipp betrifft die Handposition. Oft sieht man in Booten Athleten mit einem Griffabstand, der breiter als ihre Schultern ist, während andere sehr eng greifen. Ein breiterer Griff ermöglicht mehr Rotation im Wasseransatz, ein enger Griff schränkt diese Rotation ein. Beide Extreme sind nicht optimal effizient. Deshalb sollten Ruderer sehr bewusst auf ihre Handposition achten und sicherstellen, dass sich insbesondere die innere Hand während des Trainings nicht auf dem Griff nach oben oder unten verschiebt. Ein hilfreicher Hinweis kann ein Gummiband am Griff an der idealen Position der Innenhand sein. Berührt die Hand das Band, merkt der Ruderer sofort, dass sich die Handposition verändert hat. Auch dieser technische Fehler ist für Trainer schwer zu erkennen, da sie dafür in einem Winkel von etwa 45 Grad zum Boot stehen müssten.
Last but not least sollten die Hände eines Ruderers den Körper beim Ausheben nur leicht berühren. Der Griff sollte unter keinen Umständen gegen den Körper schlagen, denn das wäre, als würde man die Handbremse ziehen – die gesamte Geschwindigkeit aus dem Durchzug würde verloren gehen. Hautabschürfungen oder blaue Flecken am Oberkörper sind deutliche Hinweise darauf, dass der Griff zu stark gegen den Körper kommt. Auch hier können Ruderer ihr eigenes Gefühl nutzen, um die Bewegung am Ende des Schlages zu korrigieren. Der Fokus sollte darauf liegen, dass der Griff den Körper erst streift, nachdem das Blatt aus dem Wasser ist und die Hände sich bereits wieder Richtung Bug bewegen. Damit schließt sich der Kreis: Ein lockerer Griff und gute Kontrolle über den Griff ermöglichen ein ruhigeres Ausheben!
Zusammenfassend sind die zwei wichtigsten Kontaktpunkte eines Ruderers mit dem Wasser die Füße und die Hände – doch Trainer haben auf beide Bereiche nur eingeschränkte Sicht. Wer lernt, die Mechanik der Hände zu spüren und zu verstehen, wie der Griff den Schlag beeinflusst, wird eine effizientere Verbindung mit dem Wasser erreichen.
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