Blatteffizienz vs. Bootsgeschwindigkeit: Worauf kommt es wirklich an?

11. Mai 2026

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two women rowing on water with concept2 comp blades in a double

Seit Jahrzehnten folgt die Entwicklung von Ruderblättern einem einfachen Prinzip: größere Blattfläche, weniger Schlupf und bessere Leistung. Vom Smoothie2 über das Fat2 bis hin zum Comp hat sich das Design der Concept2-Blätter kontinuierlich weiterentwickelt – mit dem Ziel, möglichst viel der eingesetzten Kraft in Bootsgeschwindigkeit umzusetzen. 

Neue Forschungsarbeiten auf dem Wasser, die Anfang 2026 in Sports Biomechanics veröffentlicht wurden, zeigen jedoch, dass diese Annahmen differenzierter betrachtet werden müssen. In einer Studie von Dr. Valery Kleshnev wurden drei Concept2-Skullblätter – Smoothie2, Fat2 und Comp – unter realen Ruderbedingungen getestet. Dabei kamen identische Schäfte zum Einsatz, sodass die Auswirkungen des Blattdesigns isoliert betrachtet werden konnten.  

Die Ergebnisse markieren einen wichtigen Perspektivwechsel beim Verständnis von Blattperformance. Traditionell wurde die Effizienz eines Blattes damit verbunden, den Schlupf im Wasser zu reduzieren. Nach dieser Definition erfüllte das Fat2 genau die Erwartungen. Mit der größten Oberfläche erzeugte es den geringsten Schlupf und die höchste Vortriebseffizienz der drei getesteten Designs. Auf dem Papier müsste es damit die schnellste Option sein. Doch genau das war nicht der Fall. 

Betrachtet wurde stattdessen die Kennzahl, die für Athletinnen und Athleten letztlich entscheidend ist: wie viel Bootsgeschwindigkeit pro eingesetzter Leistung erzeugt wird. Dabei zeigte sich, dass das kleinere Comp-Blatt mehr Bootsgeschwindigkeit pro Leistungseinheit des Ruderers erzeugte. 

Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Beim Rudern geht es nicht nur darum, wie viel Wasser das Blatt „festhält“, sondern darum, wie effizient Energie vom Athleten auf das Boot übertragen wird. Die Studie legt nahe, dass größere Blätter zwar den Schlupf reduzieren, gleichzeitig aber zusätzliche Verluste verursachen können – etwa durch Rotationswiderstände und axiale Bewegungen im Wasser. Kleinere Blätter scheinen laut Studie einige dieser versteckten Ineffizienzen zu verringern, sodass mehr der eingesetzten Energie tatsächlich in Vortrieb umgesetzt wird. 

Interessanterweise hielt der Athlet in der Studie bei allen drei Blatttypen nahezu identische Schlagmechaniken aufrecht. Schlaglänge, Kraftverlauf und Gesamtleistung unterschieden sich um weniger als einige Prozentpunkte. Die beobachteten Unterschiede waren daher auf die Interaktion der Blätter mit dem Wasser zurückzuführen und nicht auf technische Veränderungen. 

Gleichzeitig unterschied sich das subjektive Gefühl der Blätter deutlich. Das Fat2 mit seiner größeren Oberfläche machte die höheren technischen Anforderungen eines großen Blattes spürbarer. Kleinere Blätter wie das Comp fühlen sich dagegen insbesondere bei höheren Schlagfrequenzen leichter und kontrollierbarer an.

two women rowing in a double with concept2 comp blades

Die Studie führte außerdem eine neue Methode zur Messung des Kraftangriffspunktes auf dem Blatt ein. Dabei zeigte sich, dass der Druckmittelpunkt weiter innen liegt als bisher angenommen und je nach Blatttyp variiert. Dadurch verändert sich die effektive Übersetzung von Riemen und Skulls, wodurch sich diese etwa 7–8 % schwerer anfühlen, als traditionelle Berechnungen vermuten lassen würden. Das verdeutlicht, dass die Blattperformance nicht nur von der sichtbaren Geometrie abhängt und erhebliche Auswirkungen auf die Bootseinstellung sowie die Blattauswahl hat. 

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es kein einziges „bestes“ Blatt gibt, sondern vielmehr die optimale Balance für den jeweiligen Athleten. Das Smoothie2 bleibt eine zuverlässige und vielseitige Option mit konstant guter Performance unter unterschiedlichsten Bedingungen. Das Fat2 bietet maximale Verbindung zum Wasser, während das Comp einer anderen Philosophie folgt und die Gesamtwirksamkeit sowie Energieeffizienz in den Vordergrund stellt. Besonders bei hohen Schlagfrequenzen und höheren Bootsgeschwindigkeiten zeigt es seine Stärken, was möglicherweise seine zunehmende Verbreitung im Spitzenbereich erklärt. 

Für RuderInnen und TrainerInnen ist die Botschaft klar: Die Wahl des Blattes sollte nicht allein auf der Größe basieren. Entscheidend ist vielmehr, wie ein Athlet rudert, wie die Kraft eingesetzt wird und welches Blatt es ermöglicht, das Boot über die gesamte Wettkampfdistanz möglichst effizient zu bewegen. 

Nicht jede Blattfläche trägt gleichermaßen zum Vortrieb bei – entscheidend ist auch, wo diese Fläche positioniert ist. Bei traditionelleren asymmetrischen Blattformen kann der innenliegende Bereich des Blattes während des Schlages negative Effekte erzeugen und den Widerstand erhöhen, anstatt zum Vortrieb beizutragen. Durch eine gezieltere Verteilung der Fläche und eine konstante Blatttiefe sollen Designs wie das Comp die tatsächlich nutzbare Arbeit im Wasser maximieren und gleichzeitig diese oft unterschätzten Verluste minimieren. 

In vielerlei Hinsicht zeigt diese Forschung die Richtung auf, in die sich die Entwicklung der Concept2-Blätter bereits bewegt hat. Der Übergang von größeren zu fein abgestimmten Designs spiegelt ein tieferes Verständnis des Ruderns als komplexes Zusammenspiel von Athlet, Material und Wasser wider.  

Die vollständige Studie finden Sie hier: 
https://doi.org/10.1080/14763141.2026.2643775 

Quellen: 

  1. Kleshnev, V. (2026) „Efficiency of various blade types in rowing“, Sports Biomechanics, S. 1–11. doi: 10.1080/14763141.2026.2643775.

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